Insel Rügen

 

Thiessow – Das schmalste Stück Rügen

Wer in Thiessow Quartier macht sollte sich darüber im klaren sein, daß es von hier aus nur noch nach Norden, sowie ein kleines bißchen in Richtung Westen oder Osten geht. Wer trotzdem eine südliche Route wählt, holt sich unweigerlich nasse Füße, denn Thiessow ist mit dem Ortsteil Klein Zicker auf der Halbinsel Mönchgut die südlichste Ortschaft. Der 1360 erstmals erwähnte Ortsname „Tyzow" stammt aus dem slawischen und definiert die Ortschaft als „Eibenort“. Das war wohl auch die Ära, als die slawischen Fürsten Jaromar 1. und 2. sich hier ansiedelten. Sie erkannten wohl als Erste vor knapp 700 Jahren die landschaftlichen und klimatischen Vorzüge des Landstrichs, der an drei Seiten von der Ostsee und dem Greifswalder Bodden zwar tangiert, aber auch gleichzeitig vor den naßkalten Winden aus nördlicher Richtung geschützt ist. Nicht von ungefähr ist Thiessow heute ein Teil des Biosphärenreservates Südost-Rügen, denn die Vielfalt von Fauna und Flora ist selbst für Deutschlands größte Insel etwas ganz besonderes. Naturfreunde finden hier neben dichten Mischwäldern, wilden Margeriten, Kornblumen und Mohn ebenso Salzwiesen wie auch feine weiße Sandstrände. Da ist es nicht verwunderlich, daß bereits im Jahre 1850 die ersten Badegäste anreisten. Daran hat sich bis in die Moderne hinein nicht viel geändert, außer das die Anreise ungleich bequemer und komfortabler ist. Und für die Einwohner von Thiessow ist der Tourismus nach wie vor der Haupterwerbszweig. Der Camping- und Surfplatz bietet naturverbundene Erholung, die diesen Namen auch wirklich verdient. Gleich zwei FKK-Strände stehen den Anhängern der Freikörperkultur zur Verfügung. Segeln, surfen, baden angeln stehen naturgemäß auf dem Tagesplan der Urlauber und Touristen ganz oben. Wem das alles zu „stressig“ ist der ist bei Fahrrad- und Wandertouren in dem flachen, maximal sanft hügligen Terrain um die Ortschaft herum bestens aufgehoben. Eine gute Gelegenheit übrigens, in Höhe des „Hotel Fürst Jaromar“ die schmalste Stelle Rügens persönlich in Augenschein zu nehmen, denn hier trennen Ostsee und Bodden die sprichwörtlichen „paar Meter“. Neben dem Tourismus ernährt hier (noch) der Fischfang seinen Mann. Der neue boddenseitige Fischereihafen ist ebenso Anlaufpunkt für Berufsfischer, wie für Sportbootkapitäne. Ein weiterer historischer Broterwerb war für lange Zeit das Lotsenwesen. Thiessow fungierte dabei als Hauptstation für die Halbinsel Mönchgut. Beginnend mit einem Ruderhaus von einem ausgemusterten Seelenverkäufer als Orientierungspunkt für die Schiffe auf dem Wasser, entstand 1909 der erste Lotsenwachturm, der bis 1977 rund um die Uhr fast ständig besetzt im Einsatz war. Danach hatte er ausgedient und der Zahn der Zeit setzte der Bausubstanz derart zu, daß ein wiederaufbau notwendig wurde. Nach historischen Plänen erbaut, beherbergt der neue Thiessower Lotsenturm heute eine Ausstellung über das Lotsenwesen auf der Halbinsel Mönchgut. Von der Aussichtsplattform aus bietet sich eine unvergeßliche Aussicht über die Ostsee sowie die umliegende Boddenlandschaft.